Geschichte
   

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- entnommen aus der "Ortsgeschichte Wildenberg-Pürkwang" von Hr. Rudolf Seidel (1971) -

aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit

Wer einen Blick in jene dunklen Jahrtausende werfen will, wo die Anfänge unseres geschichtlichen Werdeganges zu suchen sind, ist vorwiegend auf jene Zufallsfunde angewiesen, die der Boden der Heimat bei seiner Bearbeitung bisher preisgegeben hat. Kann man auch noch Bodendenkmale befragen, die sich in geschützten Wäldern über die Zeiten hinweg unzerstört erhalten haben, so beginnt sich der Schleier schon etwas zu lichten, der über den Jahrtausenden ohne jede schriftliche Überlieferung liegt.

Eine Schenkungsurkunde aus der Zeit um das Jahr 730 n. Chr., in welcher Herzog Hugibert seinen Hof zu Pirichenwanc, dem heutigen Pürkwang, an das Kloster St. Emmeram zu Regensburg übergibt, bestätigt nicht allein das hohe Alter diese Dorfes. Der Hinweis, daß das bairische Herzogshaus hier begütert war, kann seine Erklärung nur darin finden, daß alles bereits kultivierte, unter römischer Fiskalhoheit gestandene Land bei der bairischen Einwanderung zwischen 480 und 530 n. Chr. dem Stammesrecht entsprechend an das Herzogshaus der Agilolfinger gefallen sein mußte. Die herzögliche Schenkung, die nun Grundlage für die neue kirchliche Organisation, die Urpfarrei Pürkwang, wurde, weist demnach das Gebiet als schon zur Römerzeit kultiviertes Siedlungsgebiet aus. Wenn der von Aventin, dem Abensberger Geschichtsschreiber, aufgezeichneten alten Sage Glauben geschenkt werden kann, so haben die hier ansässigen Walchen (die romanisierten Kelten) den einwandernden Bajuwaren im Raume Siegenburg, in unmittelbarer Nähe also, einen erbitterten Kampf um ihre Wohngebiete geliefert. Eine in Wildenberg aufgefundene römische Münze des Jahres 325 n. Chr. und auch das Patrozinium des Eschenharter Kirchleins, das dem hl. Laurentius, dem beliebten Patron römischer Seelsorgkirchen geweiht ist, erhärten diese Annahme.

Der markanteste Nachweis keltischer Besiedlung ist die noch gut erhaltene sogenannte Römerschanze an der Grenze zur Lauterbacher Flur.

In unserem Raume lebte seit etwa 1000 v. Chr. ein Urstamm der Kelten, Vindeliker genannnt, dessen Verwaltungszentrum Manching bei Ingolstadt war. Von diesen Kelten stammt die gewaltige Viereckschanze, deren Erbauungszeit etwa um das Jahr 500 v. Chr. liegen dürfte. Sie weist eine Länge von 90 m und eine Breite von 75 m auf. Der aufgeworfene Erdwall erreicht von der Sohle des umlaufenden Wallgrabens gemessen noch heute eine durchschnittliche Höhe von 4 m.

Nach Auffassung der Historiker waren diese Viereckschanzen nicht wie man früher glaubte keltische Herrensitze, sondern Versammlungs- und Kultplätze. Untersuchungen an solchen Schanzen haben im Boden des Inneraumes Spuren von Holztempeln und tiefe Schächte nachgewiesen, in denen den Gottheiten Tieropfer dargebracht wurden.

Als sich das römische Imperium zur Zeit des Kaisers Augustus von den an seinen Grenzen lebenden germanischen Völkerschaften bedroht glaubte, wurden im Jahre 15 v. Chr. auch die im Donauraum lebenden Vindliker von dem römischen Feldherrn und späteren Kaiser Tiberius im Kampf überrannt. Wie verzweifelt sich die keltischen Stämme in ihrer Gauhaptstadt Manching gegen die kampferfahrene Übermacht der Römer gewehrt haben, verrieten die dort erst vor Jahren gemachten Ausgrabungen. Das Land südlich der Donau wurde nach der Niederwerfung der Vindeliker nun dem römischen Reich einverleibt. Die landbautreibende Bevölkerung im waldreichen Hinterland, den neuen Herren wenig wohlgesonnen, wurde durch Truppenaushebungen dezimiert und mußte sich den neuen Machtverhältnissen fügen. Sie hatte nun dem römischen Fiskus Tribut zu entrichten. Im Zuge der Romanisierung und zum Schutze der Verbindungswege zwischen den einzelnen Römerlagern pflegte man ausgediente römische Soldaten auf Höfen beiderseits der Römerstraßen anzusiedeln. Der von der Keltenschanze an Schweinbach und Irlach vorbei zur Weizenmühle führende und sich in Kipfelsberg fortsetzende Rennweg oder Hochweg ist ohne Zweifel ein solcher römischer Verbindungsweg. Die Vermutung liegt sehr nahe, daß sich auf dem Pürkwanger Kirchenberg, wo noch unterirdische Gänge und Gewölbe vorhanden sind, oder auf dem danebenliegenden Kronberg ein solcher Römerhof befunden haben könnte, der dann Jahrhunderte später als herzögliche Schenkung in Kirchenbesitz gelangte.

Die Wohnsiedlung unserer keltischen Sippe und ihrer romanisierten Nachfahren, den Walchen, ist sicher nicht mit dem heutigen Dorfe Pürkwang identisch. Hier haben wohl erst die Baiwaren, im Schutze des von ihnen übernommenen Herrenhofes auf dem Kirchenberg, ihre Dorfanlage errichtet.

Ob die ca. 150 m nordwestlich der Keltenschanze erkennbaren Wallreste, die stellenweise noch eine Höhe von bis zu 50 cm erreichen, die keltische Wohnsiedlung ausweisen oder aber Überreste einer noch älteren Wohnanlage der Bronze- oder gar Jungsteinzeit darstellen, wäre einer Untersuchung wert. Jedenfalls lassen die angeführten Bodendenkmale und auch Hügelgräber auf dem Schauer-Acker beiderseits des Thonhauserweges, der zur Keltenschanze führt, erkennen, daß die vorgeschichtlichen Siedlungen weiter südlich vom heutigen Pürkwang zu suchen wären.

Der Steinbeilfund in der Nähe der Keltenschanze vom Jahre 1960 sowie Tonscherbenfunde auf dem angeführten Hügelgräberfeld bezeugen eine weit über die Keltenzeit zurückreichende Besiedlung. Während das Steinbeil dem 3. vorchristlichen Jahrtausend zuzuschreiben ist, der Zeit, wo der Mensch beginnt, als Ackerbauer und Viehzüchter seßhaft zu werden, scheinen die aufgelesenen Tonscherben sowohl dem Typ "Oberlauterbach" als auch späteren Epochen der Keltenzeit anzugehören. Von einigen dieser Grabhügel, die seit den dreißiger Jahren alljährlich beackert werden, muß angenommen werden, daß sie schon vor Jahren von unkundiger Hand durchwühlt wurden. Noch sind fünf Grabhügel gut, weitere sieben nur mehr schwach zu erkennen. Untersuchungen an einem fast vollständig abgetragenen Hügel brachten auf der Grabsohle Branderde und kleine graphithaltige Tonscherben zum Vorschein. Weitere Hügelgräberfelder befinden sich am Billing und am Koppenberg.

Ein 1914 in Eschenhart gefundener Bronze-Armreif könnte dem früh-bairischen Flachgrab des 7. Jahrhunderts entstammen, das in der Sandgrube hinter dem Wengermeier-Hof abgerutscht ist. Man weiß, daß bis in das 8. Jahrhundert hinein die Toten noch in Hofnähe bestattet und den Toten Schmuck- und Gebrauchsgegenstände aus dem persönlichen Besitz beigegeben wurden.

Leider wird auch heute noch so manches, was der Boden preisgibt, aus Unachtsamkeit, Unkenntnis oder Gleichgültigkeit zerstört. Für die wissenschaftlich fundierte Führung eines Besiedlungsnachweises bleiben solche Fundstücke, die meist keinerlei materiellen Wert besitzen, dann unwiederbringlich verloren.

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